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Ausgabe 7-2011

Von der Kirche zum Integrationshotel

Von der Kirche zum Integrationshotel
„Wir lassen uns von den Mut machenden Worten nicht irritieren.“


Ein bizarr anmutender Satz. Aber Martin Staemmler-Michael hat sich keinesfalls versprochen. Vielmehr möchte der Pfarrer die geschlossene Philippuskirche, samt Gemeindesaal und sanierungsbedürftigem Pfarrhaus, in ein Integrationshotel verwandeln – mit Ruhe und Gewissenhaftigkeit zum nachhaltigen Erfolg. „Wir können nicht so tun, als koste es nichts und trage sich von alleine.“ Zustimmung und einige erfolgreich genommene Hürden lassen Staemmler-Michael offenbar noch nicht in Euphorie verfallen. Außerdem, so betont er gleich vorab, sei dieses Unterfangen ein Prozess, in den sich Leute, Personen und Firmen einbringen könnten, damit das Integrationshotel als neuer Farbtupfer gut in den Stadtteil Lindenau hineinwachse.
Als Staemmler-Michael Anfang 2008 aus der Stadt Wehen nach Lindenau kam, war die 1910 eröffnete Philippuskirche, die sich von Gaslampen bis zum ersten Farbanstrich fast hundertprozentig im Originalzustand befindet, längst geschlossen und die Gemeinde mit der Plagwitzer Heilandskirche vereint. Einziger Nutzer des Gemeindesaales: die Leipzig English Church. Baulicher Zustand: handlungsbedürftig. Ende 2008 traf Staemmler-Michael auf Wolfgang Menz, seines Zeichens Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes (BBW). Beide hatten die Idee, körperlich und geistig behinderte Menschen zu integrieren – aus den geschützten Werkstätten zu holen. Menz dachte bereits an ein Hotel, Staemmler-Michael hatte ein leeres Gotteshaus, und Kirchenvorstand Stefan Heinig war schnell überzeugt. Zu dritt schrieben sie Konzepte, überzeugten peu a peu die Instanzen – aktuell die sonst eher skeptische Landeskirche.
Die drei „B“ sollen das Integrationshotel charakterisieren: Beherbergung im jetzigen Pfarrhaus, Bewirtung im bereits erneuerten Gemeindesaal und Botschaft – wer mag – in der Kirche, die nicht entwidmet werden soll. Allerdings wäre die Kirche vorher an das BBW abzutreten und eine GmbH zu gründen; die Denkmalpflege ist zu beachten sowie etwa vier Millionen Euro Umbaukosten – der Stufenplan hält noch einige Herausforderungen bereit. „Vor 2012 wird es keinen Spatenstich geben“, so Staemmler-Michael bewusst entspannt, „aber irgendwann muss es mal in die Tüte kommen“. Schließlich möchte er als Pfarrer eine Botschaft vermitteln – nicht im stillen Kämmerlein, aber draußen im Leben.