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Ausgabe 4-2011

Ein Kind – Ein Pate

Ein Kind – Ein Pate
Freiraum für Kultur für Kinder. Von Hagen Reims

Kinder brauchen Freiräume, und sie brauchen Menschen, die ihnen diese auf unterschiedliche Art und Weise ermöglichen. Das Projekt „KinderKulturPaten“ bietet die Chance, generationsübergreifende Begeisterung für Kinder- und Jugendtheater zu wecken. Organisiert wird das Projekt vom Westflügel Lindenfels. Nach der erfolgreichen Initiative „Theaterpaten“ aus Stuttgart, schrieb Katrin Stadtmüller, eine ehemalige Mitstreiterin des Westflügels, ihre Diplomarbeit über die Durchführbarkeit dieser Initiative im Leipziger Westen. Die Initiative hat zum Ziel, Kinder zu erreichen, die sonst keinen Zugang zur Kultur finden. Zudem geht es nicht um den Theaterbesuch im Klassenverband mit Lehrer und Verpflichtung zur Aufmerksamkeit, sondern um freiwillige Besuche, die einen nachhaltigen Zugang zur Kultur ermöglichen. Jedes Kind soll sein eigenes Verständnis von Kunst entwickeln. Dogmatische Führungen sind hier nicht Programm.

Ein Kind in das Theater oder in die Kunstausstellung einzuladen, heißt, mit ihm in eine Welt einzutauchen, die Auseinandersetzung mit sich selbst und der Umwelt neu zu betrachten. Kindern, die sich eine Theaterkarte sonst nicht leisten können, bietet das Projekt die Teilhabe am kulturellen Leben seiner Stadt und seinem Viertel. Im Leipziger Westen wird dieses Projekt von EFRE und damit von dem Europäischen Sozialfond und städtischen Mitteln unterstützt. Die Organisation betreibt derzeit der Westflügel Lindenfels. Angeschlossen hat sich die Halle 14, und für die zukünftige Saison ist eine Ausweitung des Projektes auf weitere Häuser in Planung.

„Zu Anfang hatten wir Angst, dass die Situation auf die Kinder und Paten befremdlich wirken könnte,“ so Jonas Klinkenberg vom Westflügel. „Allerdings hat sich das überhaupt nicht bestätigt. Jetzt ist die Stimmung sehr familiär,“ stellt Klinkenberg fest. Das Projekt ist im Herbst letzten Jahres gestartet und läuft noch bis Juli. Für die nächsten drei Vorstellungen werden noch Kinder gesucht, die mitmachen möchten. Die Eltern können die ihren dafür beim Westflügel anmelden. In der Zeit entsteht eine Beziehung, die allerdings nur auf die Veranstaltungen begrenzt ist. „Aus Schutz für das Kind aber auch für den Paten, der sich womöglich sonst viel zu sehr kümmern würde,“ erklärt Klinkenberg.

Jetzt kann man einfach schnuppern und sich das Ganze anschauen. Ab nächstem Schuljahr sollte die Patenschaft als Pate wie als Patenkind für ein Jahr beibehalten werden. Die Eintrittskarten für das Patenkind zahlt der Pate. Möglichkeiten, sich auch ohne Einsatz von Geld als Pate zu engagieren, bietet der Westflügel ebenfalls. Hier wird sich um Spenden bemüht. Die Kinder sollten zwischen acht und zwölf Jahre alt sein und aus dem Leipziger Westen kommen. Im Anschluss gibt es bei gemeinsamem Kakao und Kuchen immer die Möglichkeit, mit den Künstlern oder Technikern der Veranstaltungen zu sprechen und Fragen zu stellen. Jedes Kind bekommt ein Tagebuch, in dem die Erlebnisse festgehalten werden können, sei es als Text oder als Bild, geklebt oder gemalt. Für die Kinder wie für deren Paten wird hier Kunst zum Erleben, Anfassen und Mitmachen geboten.

Zum Ablauf:
Einmal im Monat treffen sich Pate und Kind zu einem Theaterstück oder einer Ausstellung. Nach der Aufführung oder Ausstellung ist Zeit, sich über das Erlebte auszutauschen. Die Kinder werden von ihren Eltern dazu angemeldet, sie besuchen die Veranstaltungen aber ohne ihre Eltern oder Lehrer. So erhalten sie einen Freiraum, um sich mit Kultur zu beschäftigen.

Die nächste Veranstaltung, „Der Hobbit“ findet am 8. Mai im Westflügel statt. Der Hobbit, der Meisterdieb wider Willen, auf einer Reise voller Gefahren und Abenteuer. Hier treten Riesentrolle, Orks, Spinnen, der Drache Smaug und der fischige Gollum auf. Wir dürfen gespannt sein.

Telefon 0163 - 48 40 670
Mail: service@westfluegel.de