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Ausgabe 10-2010
Freiräume zum Freidrehen
Katrin Rudloff, 38 Jahre jung und seit 2006 in der Kindertagespflege als selbstständige Tagesmutti tätig, hat drei leibliche Kinder und eine Pflegetochter. Darüber hinaus selbstverständlich einige Ausbildungen, die Sie zur Tagespflege befähigen, wie z. B. Arzthelferin, Diplomsozialpädagogin, Tanzlehrerin für Orientalischen Tanz, zertifizierte Kindersportrainerin…
Cesare Stercken: Wieso bist Du Tagesmutter geworden? Wie kam das?
Katrin Rudloff: Als ich 2006 mit meinem jüngsten Kind zu Hause in Elternzeit war, fragte mich eine Freundin, ob ich mir nicht vorstellen könnte, ihren Sohn mit zu betreuen. Mein Lebensgefährte wollte gern für das zweite Lebensjahr unseres Sohnes Elternzeit nehmen und ich war auf der Suche nach einem Job.
Ich wusste damals schon, dass ich nicht mehr als Sozialarbeiterin arbeiten wollte und nach einigem Überlegen entschloss ich mich, in die Tagespflege einzusteigen. Somit konnte ich meinen Sohn für einige Monate mit betreuen und gleichzeitig in einem Berufsfeld tätig sein, in dem ich ausgebildet bin und welches mir auch Spaß macht. Und so hatte meine Freundin eine qualifizierte Betreuung für ihren Sohn, dann kamen nach und nach noch vier Kinder dazu und mittlerweile betreue ich die vierte Gruppe und bin seit vier Jahren in der Tagespflege tätig.
CS: Du machst einmal in der Woche Kindersport.
KR: Ich tanze selbst seit elf Jahren orientalisch, unterrichte seit sechs Jahren orientalischen Tanz für Erwachsene und Kinder. Nach Abschluss meines Studiums 2004 habe ich zusätzlich eine heilpädagogische Tanzausbildung gemacht und in Kindergärten kreativen Kindertanz angeboten. 2009 habe ich noch eine Ausbildung zur Kindersporttrainerin gemacht, weil Bewegung, Sport und Tanz für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig sind, und ich schon bei den Kleinsten die Freude an Bewegung, die allen Kindern angeboren ist, erhalten und fördern möchte. Einmal in der Woche, immer am Mittwoch gehen mein Kollege Martin Meyer und ich in das Tanzstudio eMotion in der Könneritzstraße und turnen und tanzen mit den Kindern. Im Sommer verlagern wir das Ganze oft in den Park an die frische Luft und singen und tanzen auf der Wiese.
CS: Und wie sehen Deine Zukunftswünsche aus?
KR: Tagespflege ist für mich so etwas wie ein Übergang, ich möchte nicht mein ganzes Leben lang in der Tagespflege tätig sein. Zumal eben auch unsere Tätigkeit keine große Beachtung findet. Als sehr störend empfinde ich es z. B. wenn Mütter und Väter denken, sie seien große Pädagogen und müssten uns erklären, wie wir unsere Arbeit zu machen hätten. Viele Tagespflegepersonen haben eine Sozialpädagogik- oder Erzieherausbildung, und alle anderen müssen an einem Curriculum teilnehmen. Wir arbeiten ebenso wie die ErzieherInnen in den Kitas nach dem sächsischen Bildungsplan und nehmen jährlich an Weiterbildungsmaßnahmen teil. Wir leisten qualifizierte pädagogische Arbeit und das sollte auch entsprechende Anerkennung finden.
Mein persönlicher Wunsch ist es, Tanz und Sozialpädagogik zu verbinden und über das Medium Tanz, Kindern und Erwachsenen andere Kulturen und Länder näher zu bringen. Nebenbei habe ich mich auf diesem Gebiet umfangreich weitergebildet und möchte beruflich in dieser Richtung weiter arbeiten.
CS: Du hast ja auch mit dem Freiraum e. V. zu tun. Was ist der Freiraum e. V.? Und welche Angebote gibt es durch den Verein?
KR: Freiraum e. V. ist 2004 gegründet worden und hat als Stadtteilverein bis 2008 sehr engagiert gearbeitet und zwei große, generationsübergreifende Projekte in Schleußig durchgeführt. Zum einen war das „Werkstatt Geschichte und Geschichten“ und als zweites die „Kulturschleuße“. Seitdem ruhen die Aktivitäten etwas, da aufgrund beruflicher und persönlicher Veränderungen der vier ehrenamtlichen Hauptakteure die personelle und auch finanzielle Situation des Vereins schwierig geworden war und die großzügigen Räumlichkeiten aufgegeben werden mussten. Zur Zeit sind wir gerade dabei, einen Neuanfang zu wagen und suchen noch Mitstreiter, die sich in den drei Vierteln engagieren möchten.
Es sollen vor allem vorhandene Räumlichkeiten im Gebiet Schleußig, Plagwitz und Lindenau genutzt werden, für kulturelle und Bildungs- sowie Stadtteilarbeit. Die Ergebnisse der zwei großen Projekte zur Stadtteilgeschichte sollen dabei mit in die Arbeit einfließen.