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Ausgabe 6-2012
The weird Party in Town
The naturalandtheunnaturalBodies.
Von Cesare Stercken
Im Bimbotown steigen sicher die abgefahrensten Partys. Möbel bewegen sich, Sessel schleudern einen in die Luft, ganze Sitzecken fahren mit ihren Besuchern durch den Raum. Krankenhausbetten laden zur Rundfahrt und ein fressendes Sofa verschluckt die Gäste. Das Zusammenspiel der Rauminstallationen mit den Gästen ist beeindruckend. Der Mensch wird Teil des Raumes, der eine unberechenbare Eigendynamik entfaltet. Im Zusammenspiel mit dem Publikum wird das Bimbotown, das für 1000 Besucher Platz bietet, eine Mensch-Maschine.
Jim Whiting, der die „The UnnaturalBodies“ baute, hatte zuvor bis 1994 in Basel sein erstes Bimbotown betrieben. Von dort ist er nach Leipzig gezogen und betreibt seitdem das Bimbotown auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei. Schon mit fünf Jahren begann er bewegliche Mechaniken zu basteln. Und seit circa 35 Jahren beschäftigt er sich professionell mit beweglichen Installationen. Mit den sich zur Musik bewegenden Puppen in einem Video für Herbie Hancock, das mit einem Grammy und zehn MTV-Awards prämiert wurde, gelangte er zu internationaler Bekanntheit (siehe Portrait Seite 12).
Die vorerst letzte Party – denn man muss sich mit EU-Richtlinien anfreunden, die derzeit mit bürokratischen Hindernissen den fortlaufenden Betrieb behindern – stieg am 5. Mai. Die Freakshow und Performance der Gruppe Sqindling Brothers schockte mit Selbstverletzungsakten, die auch mithilfe des Publikums vollbracht wurden. So war einer der Höhepunkte Stablethe Clown, bei diesem Act waren die Besucher aufgefordert, ihre Geldscheine auf einem Körper festzutackern. Je höher dabei der Wert des Geldscheines, desto empfindlichere Stellen konnten getackert werden. Die Fickenden Turnschuhe aus Berlin haben anschließend den Saal in einen Pogoring verwandelt, den die Sängerin beim dritten Lied selbst aufmischte. Die Cellolitas, als letzte Band des Abends, begannen gegen ein Uhr morgens und trieben das schweißgebadete Publikum in einen tranceartigen Zustand, proklamierten Spaß zur Kunst – Marianne Rosenberg meets Ramones war das Motto.
Das Bimbotown bietet Unterhaltung und Show für Jugendliche bis Senioren. Diese besondere und ganz und gar einzigartige Lokalität in Leipzig zu schließen, wäre ein großer Verlust. Regelmäßig kamen auch viele Besucher von außerhalb zu den Veranstaltungen. Dem weiteren Betrieb stehen derzeit nachvollziehbare und gerechtfertigte Sicherheits- und Brandschutzbestimmungen, die andernorts mithilfe großzügiger Subventionen aus dem Kulturfördermitteltopf gedeckt werden, im Wege.
www.bimbotown.de